30. August ’15 Berliner Gewässer mit Hausboot

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Morgens :-)

Es ist kaum zu glauben, ich sitze unter dem Berliner Sternenhimmel auf dem Party-Deck eines Hausbootes. Dieses ankert gerade in der Nähe der Wuhlheide (natürlich auf dem Wasser und nicht auf der Wuhlheide).

Wie kommen wir hierher? Ein sehr guter Freund überführt das Hausboot und aus diesem Grunde können wir hier das Wochenende verbringen. Wir übernachten auf der Spree und morgen werden wir dann entspannt zum geplanten Liegeplatz schippern.

Die ganze Sache bei schönstem Sommerwetter, was ja nicht immer garantiert ist…oh man haben wir ein Glück!

Die Nacht werden wir auf keinem Fall drinnen verbringen und es hat doch echt Stil im Freien unter dem Vollmond zu übernachten…

Es ist spät, eigentlich hat schon der neue Tag begonnen, so dass ich jetzt erst mal Schluss machen werde…

Die Nacht war ein echtes Erlebnis ;-) Irgendwann war meine Luftmatratze so matschig, dass es einfach zu hart wurde um darauf einigermaßen schlafen zu können. Ich bin dann doch nach unten gekrabbelt und habe indoor einen anderen Schlafplatz gefunden. Der Tag begann ruhig und warm und wir sind los geschippert, nachdem uns erklärt wurde, dass unser Liegeplatz eigentlich der Anlegeplatz eines Passagierdampfers sei (das Hausboot ist eben etwas größer, so dass sich dieser Platz einfach anbot) und dieser auf jeden Fall zeitnah hier erscheinen würde und anlegen möchte.

Wir verließen die Wuhlheide und steuerten die Wendenschloßstraße an, hier haben wir unsere Truppe ergänzt und sind dann mit größerer Besatzung weitergefahren.

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Einfach schön, bei diesem Wetter über die Spree, Dahme, irgendwelche Kanäle und mehrere Seen zu fahren. Der Blick aus Richtung Wasser auf die Grundstücke bzw. die Stadt ist so völlig anders, als man es als Landratte kennt.

Hier ein paar Aufnahmen:

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Brücke! Vorher muss die Reeling umgelegt werden…

 

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…und geschafft…

 

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„Die nächste Brücke kommt bestimmt.! ;-)

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Es wurde auch nicht langweilig. da war die Situation, dass wir fast mit der BVG-Fähre kollidiert wären….aber es ist nichts passiert, sie fuhr einen Bogen, unser Skipper fuhr auch einen Bogen und alles blieb ganz :-)

Wir setzten unseren Weg fort und ankerten bald, hier konnten die Kinder vom Boot aus ins Wasser springen…ein Traum!

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Skipper Colin

Unser Ziel, einen Liegeplatz auf einem See, versuchten wir danach zu erreichen, der Plan war gut, allerdings sah die Wasserschutzpolizei dass ganz anders….

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Wasserschutzpolizei, Breite des Bootes 5,09 m (da kommt schon ein bisschen Neid auf) ;-)

Der Kanal ist für Boote mit einer Breite von max. 525 cm zugelassen, wir waren überrascht, dass unser Boot dieses Maß übertraf! Der Bootseigner hat das wohl vorher nicht korrekt recherchiert. Die Polizei unterrichtete uns über alles, was den Bootseigner nun erwartete und wie er weiter verfahren sollte….es war trotz der schlechten Nachricht: Wir müssen nun umkehren und haben keine Chance das geplante Ziel auf irgendeinen anderen Weg zu erreichen, ein nettes und interessantes Zusammentreffen. Unser Skipper wendete, kein einfaches Unterfangen bei der Enge. Es klappte und wir machten uns auf den Weg zurück zum See, raus aus dem Kanal…ein neues Problem ließ nicht auf sich warten. Der Motor verreckte! In Sichtweite der Wasserschutzpolizei dümpelte der Kahn nun auf dem Wasser, zum Glück am rechten Rand, so dass der Verkehr nicht sehr beeinträchtigt wurde. Der Motor ließ sich nicht mehr starten und es dauerte gar nicht lange, bis das weiß-blaue Polizeiboot backbord erschien. Es wurde erörtert, was los sei, was man machen könnte etc. Es wäre sogar möglich gewesen, dass das Polizeiboot ein paar aufgenommen hätte um diese Passagiere irgendwo an Land zu setzen. Aber wir waren nicht in Zeitdruck. Die Kinder jubelten schon innerlich, da sie sich ausmalten, dass wir hierbleiben müßten und sie somit keine Möglichkeit hätten morgen die Schule zu besuchen. Die Männer versuchten alles, um den Motor zum Laufen zu bringen. Das Boot der Wasserschutzpolizei schleppte uns ein paar Meter, um zu gewährleisten, dass es nicht doch noch zu Verkehrsbehinderungen jeglicher Art kam. Es wurde weiter probiert, da unser Standort akzeptabel war, zog sich die Polizei zurück, während wir überlegten, ob wir telefonisch Hilfe herbeiholen sollten. Das war zum Glück nicht notwendig, da der Motor irgendwann wieder ansprang :-)

Wir tuckerten weiter, zurück auf den See und entschieden uns erst einmal zu ankern, um den Kindern die Möglichkeit zum Baden zu geben. Wir waren entspannt und uns sicher, dass der Motor später wieder anspringen würde.

Und: er sprang auch wieder an! Inzwischen hatte unser Skipper entschieden, welchen Liegeplatz wir ansteuern werden und so machten wir uns auf den Weg. Es war Nachmittag, die letzten Stunden sind schnell vergangen, die Kinder waren ausgepowert, das Essen war fast alle und das Wasser an Bord auch! Der Wassertank sollte eigentlich noch gut gefüllt sein, aber dann war er plötzlich leer! Auch nicht so schlimm, dann kochen wir eben keinen Kaffee mehr, ist ja eh zu warm dafür! Weiter gen Berlin-Köpenick! Wir nahmen einen anderen Weg, als den, den wir gekommen sind und plötzlich wurden die Kanäle wieder sehr eng…aber alles ging gut, wir schaukelten langsam hindurch und erreichten dann auch wieder offenes Wasser (es gibt offenes Gelände und jeder weiß, was ich damit meine, aber gibt es offenes Wasser?????….Ich meine ich rede nun nicht von einer geöffneten Mineralwasserflasche….!!!)…

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Das meine ich mit „Offenem Gewässer“, nix mehr mit engem Kanal…dafür aber andere Tücken…

Also, die Kanäle verschwanden und es sah eher nach See aus (so beschreibt es eine Landratte). Alles gut, die gesamte Besatzung befand sich im Entspannungsmodus, unser Ziel war klar, der Motor lief, Sprit war aufgefüllt und das Mädchenbier schmeckte….dann ein plötzlicher Stopp! Wir sind auf Grund gelaufen. Kein Hinweis, dass man hier aufpassen müsse, keine Info in der Karte…hm, das Gepiepe des Echolots war wohl mal kurz abgestellt worden ;-) Und schon hat es sich gerächt!

Vorwärts-Rückwärts…nix, Gewichtsverlagerung mittels „Alle Mann kommen mal hierher!“ brachte auch keinen Erfolg. Hm, vorbeifahrende Paddler machten schon doofe Sprüche (aber uns kennt ja hier niemand)…Dann fuhr die BVG-Fähre an uns vorbei! Ich glaube die Besatzung hat uns wiedererkannt (Beinah-Kollision am Vormittag)…

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BVG-Fähre

Was haben wir gemacht? Alle, die entbehrlich erschienen wurden ins Wasser geschickt und durften anschieben!

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Zu guter Letzt kamen wir wieder frei und konnten unseren Weg fortsetzen. Es dämmerte langsam, einfach schön und es sollte auch gar nicht mehr so viel passieren.

Kurz vor unserem Ziel fiel das Licht aus, erst war es nicht möglich die Außenlichter einzuschalten, was aber bei den nun herrschenden Lichtverhältnissen schon angezeigt war und bei dem Versuch, dies zu reparieren verabschiedete sich das gesamte Bordlicht! Reparaturversuche, Telefonate etc, irgendwann ging das Außenlicht wieder, dann auch das Innenlicht, wir kamen heil an dem Punkt an, an welchem ein Teil unserer Truppe das Boot verlassen musste, da dort zwei Autos standen. Es waren insgesamt 5 Autos, die so verteilt waren, dass am Ziel (der See, den wir nie erreichten) eins stand, was eigentlich recht clever ist. Am Startpunkt standen zwei, und hier waren wir nun wieder. Also, wir verließen das Boot, nur der Skipper, Mike und unsere beiden Kinder bleiben an Bord. Der Plan war, das Hausboot legt wieder ab und wir treffen uns (der verbleibende Rest) am Liegeplatz (die Alternative, für die sich unterwegs entschieden wurde). Auch das war ein toller Plan, aber dazu hätte der Motor wieder anspringen müssen. Die Männer haben noch an der Beleuchtung herumrepariert und wollten dann los. Wir brachten unsere Mitfahrer zu ihren Autos und erhielten dann die Nachricht, dass das Boot da nicht wegkäme.

Um die Sache abzukürzen: Irgendwann startete der Motor wieder, das Hausboot fuhr mit Beleuchtung (!) zum Zielpunkt, es passierte nichts mehr unterwegs und wir hatten einen absolut genialen Tag!

Zusammenfassung:

(1) Die BVG hat ihre Fähre noch, durch Ausweichmanöver ist nichts kaputtgegangen ;-)

(2) Das Boot ist einfach zu breit. Der Passagierdampfer (DAMPFER!) der uns entgegenkam ist 40 cm schmaler!!!

(3) Die Wasserschutzpolizei ist wirklich nett.

(4) Colin hat im zarten Alter von 9 Jahren sein erstes Knöllchen bekommen (die Wasserschutzpolizei fand es nicht so gut, dass er den Platz den Skippers eingenommen hatte), die sind aber trotzdem noch nett, die Polizisten…

(5) Das Boot ist zu schwer, sagen die, die damit auf Grund gelaufen sind (bitte nicht ganz so ernst nehmen!).

(6) Die Bordelektrik verhält sich irgendwie zickig. => Herausforderung für den Elektroingenieur!

(7) Wenn dem Motor zu warm wird, dann startete er nicht mehr…aber nun wissen wir ja, wenn man lange genug wartet und ihm die Chance zum Abkühlen gibt, dann kann es weitergehen.

Ein Abschlusssatz: Tolles Hausboot! Die oben aufgeführten Schwierigkeiten haben uns den Tag nicht verdorben, genau im Gegenteil, wir hatten so viel Spaß!

Danke, dass es möglich war dabei gewesen zu sein!!!

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