15. November ’15 Hong Kong 2.0, Hong Kong <-> Shenzhen, China

Plan heute: aus er Sonderverwaltungszone Hong Kong, gehört ja auch zu China, ist aber alles etwas anders, nach Shenzhen, China zu fahren. Ich bin gespannt und werde berichten…

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Nach Lo Wu zu kommen ist mit der MTR gar kein Problem. Man erreicht direkt den Grenzübergang und muss vor Ort erst mal nur den anderen folgen. Als deutscher Staatsbürger benötigen wir ein Visum, dieses kann man direkt am Grenzübergang erwerben (Kreditkartenzahlung ist entgegen anderen Infos möglich).

Hier in der Visa-Stelle bekommt man sofort dieses lange vergessene Gefühl des Sozialismus wieder. Davor, beim verlassen der hongkonger MTR-Station wurde einem schon der Farbwechsel bewußt,die Farben sind hier grauer (das spielt sich bestimmt nur in meinem Kopf ab oder ist es wirklich so?). Keine Ahnung, wie haben eine Nummer gezogen und warten auf Schalter 1, hier müssen wir den ausgefüllten Antrag und unsere Pässe abgeben und es wird ein Foto gemacht. Es gibt Schalter 2, hier wird bezahlt, wobei der Jüngling hinter der Scheibe nicht wirklich überarbeitet aussah, er schob die ganze Zeit Münzen von rechts nach links und beobachtete wohl, in welcher Formation sie dann liegenblieben, ich beobachtete dies gespannt, während Mike bezahlte. Schalter 3 hatte wieder etwas mehr mit Effizienz zu tun, hier wurde die Visa in die Pässe geklebt. Der ganze Vorgang, mit Wartezeit, dauerte für uns vielleicht 20 Minuten. Es gibt wohl aber auch Zeiten, in denen man hier Stunden warten kann.

Mit dem Visum ging es zur Immigration, nichts spektakuläres, es wurde ziemlich genau geguckt und der Pass mit den Daten im Rechner abgeglichen. Natürlich durften wir hier noch einen Schriebs ausfüllen, wovon ein Teil am Einreiseschalter verblieb und der andere bei Ausreise wieder eingezogen wurde.

Mit unserem Visum dürfen wir nur Shenzhen besuchen, das mit einmaliger Einreise für maximal 5 Tage. Wir haben nur diesen Tag geplant. Im chinesischen Teil angekommen beschlich uns dann doch ein merkwürdiges Gefühl, wir traten heraus aus dem Bahnhof und der erste Blick zeigte uns eine echt sozialistische Platzplanung, was ich meine, dieser Bahnhofsvorplatz war so angelegt, das er hätte in Moskau sein können, die Stadt an sich ist in den letzten Jahren (von 18.000 Einwohnern in den 1980er zu mehr als 12 Mill. heute) so schnell gewachsen, das sie sehr westlich aussieht (Wolkenkratzer etc.).

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Shenzhen, Bahnhofsvorplatz
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Lo Wu Grenzübergang
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Bewaffnet!
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Hier ziehen sie los…

Die Tourist-Information hatte geschlossen, wir hatten eigentlich darauf spekuliert, irgendwo einen Stadtplan zu bekommen. Google-Maps funktioniert hier nicht, da wir mit unseren Daten-SIMs sofort an der Grenze offline waren. In einschlägigen Foren konnten wir lesen, dass man sich problemlos eine chinesische SIM besorgen kann, das lohnte nur für uns nicht, da wir nur einen Tag hier planten. Dazu kommt, dass in China wirklich diverse Dienste der Zensur unterliegen und gesperrt sind. Wir schlenderten kurz über diesen Platz und fühlten uns eigentlich so gar nicht wohl, ständig wurden wir angesprochen, ob wir dies oder das wollten, was wir abblockten. Wir mussten uns erst mal orientieren, das fiel uns am leichtesten, indem wir ein großes Hotel am Ende des Platzes betraten, hier wurde Englisch gesprochen und an der Rezeption erhielt ich eine Straßenkarte. Die Dame entschuldigte sich vielmals, dass diese Karte nicht in Englisch verfügbar war, sondern nur in Chinesisch. Das scheint ein Politikum zu sein. Wir konnten uns aber mit dieser Karte und ausreichend Erklärungen etwas orientieren.

Draußen schauten wir noch etwas herum:

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Uhr
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:-)
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Einer ist mit Schlagstock bewaffnet, der Andere mit einem iPhone…

Die MTR in Shenzhen ist super ausgebaut. Man bekommt problemlos Tickets

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Die grünen Dinger sind die Tickets
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Gepäck durchleuchten auf der MTR-Station
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…nochmal…
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…mittels Dampflok ;-)

Shenzhen ist für uns interessant, da dies ein Standort ist, in welchen massig Elektronik hergestellt wird, zumindest ist das unser Wissen bis dato. Wenn ich in Deutschland irgendwelche Bauteile über eBay oder amazon bestelle sehe ich hin und wieder Shenzhen auf der Packung stehen. Es gibt hier Elektronikmärkte, die der Hammer sind. Bauteile aller Art kann man erwerben. Etagenweise werden sie auf kaufhausähnlichen Etagen, ausgestattet mir kleinen Marktständen angeboten. Man darf sich nicht vorstellen, dass man hier ein übersichtlicher Markt vorfindet, es ist garantiert, dass man einen Stand, an welchem man etwas gesehen hat und sich später entschließt es zu kaufen, nicht wiederfindet (Tipp: die Standnummer merken).

Es wird repariert, gelötet, dabei geraucht, es gibt keine Fenster und von Belüftung kann man auch nicht reden. Wir waren etwas schockiert, dass einige mit ihren kleinen Kindern den Tag hinter dem Stand verbringen. Der Europäer muss immer mal wieder an die frische Luft um sein Überleben zu sichern, ab er es ist schon ein Erlebnis. Wir wollten einen bestimmten Markt besuchen und wir müssen zugeben, dass wir uns fast 8(!) Stunden in Märkten dieser Art herumgetrieben haben ohne den geplanten besucht zu haben!

Das Marktgeschehen ist auch so gestaltet, dass nebenbei gearbeitet wird, hier wir verpackt, umgelabelt(!) und alles was in die Verpackungen, die später bei „Conrad“ oder „Völkner“ zu sehen sind, gepackt wird, verschwindet danach in großen Kartons, versandfertig für Übersee. Die Geräuschkulisse ist geprägt vom reißenden Geräusch welches entsteht, wenn man Packband  vom Abroller rollt (ich glaube ihr wißt, was ich meine). Ununterbrochen wird verpackt und „gerollt“.

An manchen Ständen kann man beobachten, wie Akkus zu Original-Akkus gemacht werden (mittels Aufkleber), an andern Ständen werden diese kleinen Hologramm-Aufkleber auf Bauteile geklebt. Fotografieren ist hier nicht gerne gesehen und das versteht man auch, denn wer will schon, dass es festgehalten wird, wie Apple-Equipment in kleine weiße Schachteln gesteckt wird, die genauso aussehen, wie die originalen Verpackungen.

Apropos Apple: Ich habe noch nie so viel Apple-Produkte gesehen wie hier. In Hong Kong dürfen wir gerade  beobachten, wie sich Massen von Apple-Süchtigen (bin ich ja auch ein bisschen) stundenlang in Schlangen stellen, um das neue iPhone 6s zu kaufen. Hier sehe ich diese Geräte an viele Ständen und natürlich in „Apple-Stores“?.

Man gibt es hier viele „Autorized Apple Re-seller“! Ganz ehrlich, ein Gesetz gegen Produkt-Piraterie gibt es in China wohl nicht. Ich könnte an jeder Ecke ein gefälschtes iPhone 6s kaufen und natürlich andere Produkte mit dem angebissenen Apfel drauf ;-)

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Jaja, die Apple Watch und ganz preiswert ;-)
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Elektronik-Markt
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:-)

Zum Mittag haben wir uns ein Essen in einer Garküche gegönnt, auch das sollte man machen, Fast-Food ist überall gleich, aber das einheimische Essen muss man einfach testen (auch auf die Gefahr hin, dass einem aus der Suppe ganz viele Augen anschauen – das ist aber eine andere Geschichte). Hier gab es Essen ohne Augen und die Saugnäpfe haben wir einfach weggelassen ;-)

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Auswahl
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drinne
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Küche

Irgendwann war es Draußen dunkel und unsere Füße schmerzten. Wir beschlossen, uns auf den Rückweg zu machen. Mit der MTR zurück zum Grenzübergang Lu Wo, hier ist es nun richtig unübersichtlich wird. Erst sieht man den Hinweis „to Hong Kong“, dann gibt es gar keinen Hinweis mehr, irgendwann fanden wir eine Art kleines Treppenhaus. Eine Etage tiefer fanden unseren Weg wieder, echter Zufallsfund! Die Ausreise gestaltete sich problemlos. Es wurde sehr genau geguckt, inzwischen durfte der Grenzer 4(!) Fotos, die auf seinem Bildschirm aufploppten vergleichen (Einreise, Pass bei Einriese, Ausreise, Pass bei Ausreise). Wir passierten den Checkpoint und fanden auch gleich unsere MTR um zurück nach Hong Kong zu fahren…

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Letze Eindrücke
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Letze Eindrücke
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Wieder am Grenzübergang
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Blick von der MTR-Station, links das Beleuchtete sind wohl die Grenzbefestigungen

Hier ein Link, den ich noch gefunden habe, interessanter Bericht (Engl.):

http://joi.ito.com/weblog/2014/09/01/shenzhen-trip-r.html

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