14. Oktober ’16 Zwölf-Stunden-Wanderung auf Rügen, Wanderfestival

Heute, es ist der 14. Oktober, ist es soweit. Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Rügen, genauer, ins Ostseebad Binz. Über Booking.com habe ich eine Pension gefunden, die für unser Vorhaben entsprechend günstig liegt (bin gespannt, ob alles so läuft wie geplant).

Morgen wird es in aller Frühe losgehen. In ca. 12 Stunden wollen wir knapp 50 km zurücklegen, das ist eigentlich kein Hindernis in der heutigen technologisierten Welt, wir aber werden zu Fuß unterwegs sein. Die ausgewählte Strecke ist sehr schön, ich werde bestimmt im Anschluss Fotos posten können. Das Wetter MUSS einfach mitspielen! Die Schuhe sind eingelaufen, ich habe Wandertreter aus dem letzten Jahrtausend aktiviert ;-)…die Dinger sind seit 1997(!) in meinem Besitz und haben schon einiges gesehen. Wenn sie diesen Trip überleben (und es sieht so aus), dann sollte ich vielleicht eine Dankes-Mail an Timberland schreiben ;)

Soweit erst mal das Vorgeplänkel…sowie es etwas (wichtiges) zu schreiben gibt, werde ich dieser Verpflichtung nachkommen.


Wir sind kurz vor 20:00 Uhr in Binz angekommen, um 20:00 Uhr schließt die ExpoArea, dort, wo man akkreditiert wird. Bedingt durch eine komplette Sperrung der A11 hatten wir eine ungeplante Verspätung. Aber alles wurde gut, wir bekamen unsere Startunterlagen und suchten im Anschluss unsere Pension.

Viel Schlaf blieb nicht übrig, da wir uns um 4:00 Uhr zum Briefing trafen. Dazu gabe es ein kleines Frühstück (zu früh für mich)!und Kaffee = lebensnotwendig!

Eine halbe Stunde später saßen wir im Bus und dieser brachte uns an unseren Startpunkt. Er fuhr fast eine halbe Stunde durchndie dunkle Nacht. Ich wurde kurzfristig etwas nachdenklich, da mir bewußt wurde, dass wir die gesamte Strecke wieder zurück mussten und dazu nicht diese abgekürzte Strecke, nein wir wanderten durch den Wald, dann an der Küste entlang, danach wieder landeinwärts. Die Strecke war so ausgesucht, dass sie landschaftlich sehr reizvoll war, dafür aber „Strecke fraß“, soll heißen, dass wir, um z.B. über die Feuersteinfelder laufen zu können einen Umweg machten, der nicht ohne war ;)

Richtig übel ist Kopfsteinplaster, nicht dieses harmlose mit flachen Steinen, nein diese alte Variante mit den „Katzenköppen“. Es wollte einfach kein Ende nehmen und wenn eine dieser holprigen Straßen endlich zu Ende war, dann ließ die nächste nicht wirklich lange auf sich warten. Diese Straßen laufen sich richtig bescheiden und gehen mächtig auf bestimmte Muskeln. Dazu war es stockdunkel und ich musste die Äuglein wirklich scharfstellen, dass ich im Lichtkegel meiner Stirnlampe (danke Ilka, für’s Leihen) wirklich alle Unebenheiten rechtzeitig sah…

Im Dunklen zu wandern ist eine Herausforderung für sich, aber es sah auch toll aus, eine Lichterschlange, die sich durch die Gegend schlängelte…sah toll aus, gibt leider kein Foto davon :-(

Wir starteten in Hagen und wandertendurch die Dunkelheit, da war Wald und Wiese und irgendwann, am Himmel erschien ein schmaler Streifen Licht, der den bevorstehenden Sonnenaufgang signalisierte, hörten wir das Meeresrauschen in der Ferne. Es dauerte nich etwas und inzwischen waren wir in Tageslicht gehüllt und konnten die Stirnlampen (die modisch gesehen wirklich der letzte Schrei sind) in unseren Rucksäcken verstecken, zu diesem Zeitpunkt etwa sah man am Horizont die Ostsee.

Wir erreichten die Küste in der Nähe der Kreidefelsen. Ich war noch nie hier, wirklich schön:

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Nationalpark Jasmund
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Kreidefelsen
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Kreidefelsen
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In der Nähe der Kreidefelsen
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Elfi
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Es gibt einige dieser Stellen/ Hinweise :(
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…noch mehr Kreidefelsen
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Wenn man ausreichend Zeit hat, dann kann man hier Säckeweise Hühnergötter sammeln
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Einfach tolle Gegend…

Von den Kreidefelsen aus, war es nicht mehr weit, bis nach Saßnitz.

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…auf dem Weg nach Saßnitz
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Saßnitz
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Saßnitz

Hier hatten wir unseren ersten Stopp. Wir bekamen Frühstück (das passte jetzt uhrzeittechnisch besser in meinen Biorhythmus) und wir bekamen unseren ersten Stempel für dieses erreichte Ziel.

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Das ist schon schräg, da melden sich erwachsene Menschen bei einem Wanderfestival an, investieren Zeit und Geld, suchen Pensionen und dann jagen sie irgendwelchen Stempeln hinterher. Und nicht nur das, am Ende des Tages gibt es wunde Füße, das Blasenpflaster ist aufgebraucht, man spürt Muskeln, von deren Existenz man zuvor nichts wusste und manche verfluchen sich ein bisschen (kaum hörbar) und räumen ein, das sie einen Vollknall haben.

Stempel Nummer 1 abgeholt, dazu Brotzeit und Kaffee und ich habe die ersten Pflaster auf dem caudalen Ende meines Körpers platziert.

Es ging weiter, nach einer schönen Pause in der Bäckerei „Peters“, nächster Stopp Prora.

Um hierhin zu kommen brauchte man eigentlich nur küstennah auf dem Fußweg, der die Land- oder Bundesstraße begleitete gen Süden zu laufen. Aber dann gab es auf unserer Karte einen Abzweig in den Wald. Mir schmerzten langsam die Füße (irgendwie hatte ich das Gefühl, dass entweder meine Füße spontan gewachsen oder die Schuhe geschrumpft sind). Wir bogen ab, in den Wald hinein und versuchten an Hand fehlender Wanderfestival-Hinweis-Schildern trotzdem unseren Weg zu finden. Wir fanden ihn, es war bestimmt nicht, der, der seitens des Veranstalters geplant gewesen war, aber, wir erreichten die Feuerstein-Felder. Hier liegen im Wald plötzlich Feuersteine rum und zwar dermaßen viele, dass man es Feld nennen kann.

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…mitten im Wald…

Ich beschloss bei Kilometer 30 meinen Füßen etwas Gutes zu tun und tauschte meine Wanderschuhe gegen federleichte Sommer-Sneaker aus. Die Dinger sind vielleicht nicht oktobertauglich (deutscher Oktober) aber sie drücken nicht! Ich lief (kurzfristig) wie auf Federn…:)

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Fliegenpilz 1…stehen im Wald rum
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Fliegenpilz 2

Nach den Feuersteinen kam Prora. In der Jugendherberge gabe Mittagessen und den zweiten Stempel. Ich hatte noch die Möglichkeit, ein paar Fotos der KdF-Bauten zu machen und dann ging es weiter.

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Prora, Strand
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Kolloss von Rügen 1/ KdF-Bauten
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Kolloss von Rügen 2/ KdF-Bauten

Von Prora aus ging es am strand entlang nach Binz. Von dort aus noch einmal weiter bis zur Waldhalle und das war das Ziel. Wäre man von diesem Punkt zurück zum BaseCamp oder zum ExpoArea gelaufen, hätte man während der letzten 12 Stunden eine Entfernung von geplant 48 km und bedingt durch Umwege 50 km erreicht. Wir (Elfi und ich) haben uns, fußschmerzbedingt dazu entschieden und vom Orga-Team die letzten 5 km im Kleinbus mitnhemen zu lassen. Wir haben den letzten Punkt der 12-Std-Wanderung erreicht und hatten einfach keine Reserven mehr.

Für uns ging diese Wanderung mit ca. 45 Kilometer zu Ende. Ich denke, dass das ok ist ;)

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Letzter Aufstieg
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Die Strecke!

Es war ein toller Tag. Eventuell planer wir dieses Event wieder in 2017?


Heute schaffe ich es noch das Beweisfoto online zu stellen, welches zeigt, dass ich alle Checkpoints der 12-Stunden-Wanderung angesteuert habe:

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