15. August ’17 Volcano, Big Island, Lava Flow |Tag 10|

Den heutigen Vormittag verbrachten wir erneut an der Black Sand Beach in Kehena. Die Kinder wollten der Wellen wegen noch einmal hierher. Und Wellen gab es heute! Es war kein einfaches Unterfangen etwas tieferes Wasser zu erreichen und man möchte dorthin, ins Tiefe, da im flachen Wasser keine Chance besteht, auch nur eine Welle stehend zu überstehen. Es reißt einem regelrecht die Beine weg. Vorsicht ist soweit geboten, als dass man sich von großen Steinen, die an der Beach rumliegen fernhalten sollte, denn das kann richtig schmerzhaft sein. Vormittags Genuss des Wellenganges, dann eine kurze Pause im Hotel und dann sind wir erneut los, genau dorthin, wo wir gestern waren. Zuvor haben wir uns im WalMart mit Strinlampen und einem Paar Hiking Stöcken eingedeckt. An der Crater Chain Road sind wir zum gleichen Fahrradvermieter, wie am Vortag gegangen. Es waren ausreichend Fahrräder vorhanden, so dass wir auswählen konnten. Alle gehören irgendwie in die Kategorie „Rostlaube“, aber was gestern die Strecke hin und zurück fuhr, tat es auch heute. Mir fehlten heute die knarzenden Geräusche, die aus der Gegend Ich-war-mal-eine-Federung kamen, dafür habe ich aber die Beleuchtung verloren?, war plötzlich weg, die Lampe…

Familie Weber ist die 4 Meilen, bis zur Sperrung der Road geradelt. Ganz langsam ließ sich erahnen, dass die Dämmerung einsetzt. Genau das war unser Plan, wir wollten auf keinem Fall bei praller Sonne duch Lava-Felder radeln. Alles lief gut, wir platzierten die Räder am Rand der Straße, soll heißen, schichteten sie zu einem Haufen auf. Klarmachen der Hiking-Stöcke, überprüfen, ob wirklich ausreichend Wasser in den Rucksäcken ist und los. Gestern sind wir südwestlich die kurze Strecke Richtung Ozean gelaufen, um in der Ferne das Naturschauspiel der ins Meer fließenden Lava zu sehen. Als wir zu unseren Rädern zurückliegen, sahen wir kleine Gruppen, die aus der Dunkelheit landeinwärts kamen. In dieser Richtung sieht man in einer Entfernung, die schwer zu schätzen ist, rotglühende Steifen, das ist Lava. Wir fragten die Ankömmlinge aus und erfuhren, dass es sich um eine Wanderung von ca. einer Stunde handelt, um dorthin zu kommen.

Leihfahrrad=Rostlaube, wir waren erstaunt, dass die Teile ihr Ziel erreichten ;-)
Hier ist eigentlich Schluss…
Ein paar gut gemeinte Hinweise…

Genau darauf haben wir uns heute vorbereitet, deswegen die headlights und hiking poles. Der gesamte Weg führt durch ein riesiges Lavafeld, es gibt keinen Weg, nein, wenn man ohne geführte Gruppe unterwegs ist, dann orientiert man sich auf dem Hinweg an der glühenden Lava und auf dem Rückweg an den aufsteigenden Wasserdampf, der immer zu sehen ist, außerdem haben die Park-Ranger ein Blinklicht aufgestellt, welches sehr hilfreich zur Orientierung ist. Wir begannen unseren Weg, die Wanderstöcke erwiesen sich als wirklich notwendig, wir liefen durch diese unwirkliche Gegend, kletternd, über kleinere Spalten springend, ständig auf der Hut, nicht wegzurutschen. Der Weg ist anspruchsvoll. Nun dämmerte es und als es dunkel um uns wurde, wechselte das schwarze Lavagestein, bedingt durch das Licht unserer Stirnlampen, die Farbe zu ich nenne es man schwarz-chrom. Es glitzerte um uns herum. Alles, was schon unwirklich erschien, erschien nun noch mystischer. Es war, als wenn wir durch dunkles Silber liefen! Dazu absolute Ruhe, hier lebt nichts, was Geräusche macht. Wenn man stehen bleibt und die Lampen ausschaltet ist das ein Gefühl, welches unbeschreiblich ist. Dazu noch sternenklarer Himmel und man fühlt sich wie auf einem fremden Planeten, die Sternbilder sind hier so zahlreich, ich habe keine Ahnung davon, aber es sieht aus wie Sternennebel, was da oben zwischen den hell leuchtenden Sternen zu sehen ist. Hin und wieder kamen uns andere Wanderer entgegen, oder kreutzen unseren Weg, es gab keine Route, man musste sich in dieser Dunkelheit komplett selbst orientieren. Vor uns sahen wir die Glut der Lava, hier und dort ein kleines Licht anderer Verrückter, die hier in absoluter Dunkelheit durch Lavafelder kraxelten. Ein Abenteuer. Als wir auf der Hälfte des Weges (es war kein Weg?) waren, kamen uns die Ersten auf ihrem Rückweg wieder entgegen, so konnten wir uns zumindest die Information einholen, wie weit es noch ungefähr ist. Und weiter, eine halbe Stunde lag noch vor uns. Es glitzerte überall um uns herum und wir näherten uns langsam, Schlangenlinien laufend (wobei ich manchmal das Gefühl hatte, es waren auch Meander dabei?) unserem Ziel.

Lavagestein
:-)
Unterschiedlichste Formationen
Crack
Das war das einzig lebendige (außer uns Touris), was wir gefunden haben.

Als wir ziemlich dicht waren, wurde die Luft schlagartig warm, fast heiß. Direkt vor uns glühte es in einem schmalen Streifen zwischen dem Gestein hervor. Unglaublich! Wir standen auf, zum Glück, fester Lava und unter uns floss glühendes Gestein! Es glühte an mehreren Stellen in Streifen zwischen dem Gestein hervor. Wir blieben stehen und schalteten unsere Lampen aus. Hier standen wir, in einer unglaublichen Hitze und um uns herum, glühendes Gestein. Ein paar Meter weiter sahen wir die Lava fließen, hier war es noch heißer, wir näherten uns dieser Stelle, der Stein, auf dem wir liefen, war heiß, das sahen wir auch bei unserer Rückkehr an den Schuhsohlen?. Wir standen direkt vor sehr langsam fließender Lava! An dieser Stelle glühte es durch Spalten im Gestein hindurch und an einer Stelle trat die Lava heraus. Der Wahnsinn! Sehr lange kann man sich hier nicht aufhalten. Erstens ist es heiß und dann hat man doch ein mulmiges Gefühl. Es ist nicht ganz gefahrlos denke ich, eine gewisse Kondition ist von Nöten, ich hatte z.B. massive Probleme nach Einbruch der Dunkelheit mit dem LED-Licht der Stirnlampe, die Entfernungen in dieser silberglitzernden Umgebung abzuschätzen… es ist schon hilfreich, zu sehen, wie groß der nächste Schritt sein muss?…..  $#!‘]‘ Augen!!!

Lava!
!!!

Der Rückweg schien nicht enden zu wollen, wir liefen wieder Schlangenlinien, bedingt durch das Terrain. Es war stockdunkel und ohne unsere Lampen wären wir richtig aufgeschmissen gewesen. Alles ging gut, keine Verluste (Menschen), nichts gebrochen (Knochen) und aller Wahrscheinlichkeit nach auch nichts verloren. Wir erreichten irgendwann das Funkellicht, welches uns den gesamtem Rückweg die Richtung gezeigt hatte.

Von hier mussten wir natürlich die vier Meilen mit den Rädern zurück und dann noch eine knappe Stunde mit dem Auto zum Hotel. Man kann sich bestimmt vorstellen, dass wir absolut fertig waren, als wir endlich in Sichtweite unserer Betten kamen.

Unsere letzte Nacht hier auf Big Island…

 

Nachtrag März 2019:

Ich überarbeite gerade den Blog und möchte gerne einen weiteren Kommentar hinterlassen. Das was wir hier beschrieben haben ist echt gefährlich, schnell kommt man vom Weg ab, soll heißen, man muss sehr aufpassen. Rückblickend erscheint mir diese Wanderung ziemlich krass. Trotzdem sind wir froh, dass wir es gewagt haben. Ich bin mir nicht sicher, ob es heute noch möglich wäre, ob dieser, der inoffizielle Teil des Volcano National Parks überhaupt noch begehbar ist. Nachdem im Mai ’18 der Kilauea ausgebrochen ist, kommt man eventuell gar nicht mehr in diese Region. Toll, dass wir es genauso durchführen konnten, wie beschrieben.

19° 8.022 N -155° 30.44 W

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