10. Februar ’13 Atlas-Gebirge, Marokko

Während ich das hier schreibe sind wir auf der Rückfahrt nach Marrakesch. Wir haben uns heute um 6:30 Uhr am Busbahnhof in Marrakesch eingefunden. Dort fuhr ein Überlandbus nach Ouarzazate ab. Die Strecke, ca. 4 Stunden Fahrtzeit, führt durch das Atlas-Gebirge. Wir als einzige Ausländer saßen zusammen mit den Einheimischen im Bus. Und los ging es, raus aus Marrakesch, hierbei noch ganz viel Stadtmauer bewundert und dann weiter Richtung südosten. Den Sonnenaufgang konnten wir außerhalb der Stadt genießen, und bald befanden wir uns in den ersten Ausläufern des Atlas, einfach unglaublich schön diese Landschaft! Leider konnte ich nur Fotos während der Fahrt aus dem Fenster machen, aber die Eindrücke sind ja das Wichtigste. Die Stadt Ouarzazate ist das absolute Gegenteil von Marrakesch, ganz wenige Autos und ehrlich, man fühlt sich um viele, viele Jahre zurückversetzt. Hier haben wir uns ein Taxi collectif (Sammeltaxi) gesucht und wollten weiter nach Aït ben Haddou. Die Fahrt von Ouarzazate nach Aït ben Haddou war ehrlich ein Abenteuer. Unser Taxi, war ein Kleinbus, wie er häufig als Sammeltaxi genutzt wird. Es waren offiziell 11 Sitzplätze verfügbar, aber das hält niemenaden ab, mehr zu laden…. Die Kiste war rappelvoll und wir bewegten uns zum Stadtausgang. Das Taxi hielt immer wieder an um irgendwelchen Kram einzuladen. Da war z.B. eine Küchenspüle, die auch noch in den Kofferraum mußte. Zum Abschluß, bevor wir Ouarzazate hinter uns ließen erfolgte noch die Übergabe eines Briefes der befördert werden sollte, dieses Vorhaben erwies sich als besonders zeitintensiv, da sehr viele Anweisungen folgten. Alle Fahrgäste saßen ruhig da und harrten der Dinge, die da kommen sollten, niemand war genervt oder irgendwie gestreßt. Es wird eben gewartet, wenn da noch was fehlt oder besprochen werden muß… Wir verließen die Stadt und hatten wenige Kilometer später den nächsten Stopp. Hier stand ein Haus und die Familie wollte mitgenommen werden, der Kleinbus war zwar voll, aber egal. In den schmalen Gang wurden kleine Plastikhocker gestellt, damit die Frauen nicht stehen mußten und es wurde nun richtig kuschelig. Aber ehe dies geschah, warteten wir bis alle Personen ganz gemächlich erschienen. Es dauerte etwas, bis alle aus dem Haus kamen, und die eine Dame hatte einen Bademantel an. Ich dachte erst es sei ein Sehfehler meinerseits (kann ja vorkommen), aber die Dame saß dicht bei mir und es war wirklich ein Froteebademantel…, in dukelrot… Zwei männliche Passagiere standen vorne direkt hinter dem Fahrersitz und der Begleitmensch (er scheint utrawichtig zu sein, da er alles sortiert, organisiert und das Fahrgeld einsammelt) hing halb aus der Tür des Taxis heraus. Die Tür mußte deshalb offen bleiben, aber wir verloren niemanden und alle Passagiere plus Küchespüle und Brief erreichten das Ziel nach ungefähr eine Stunde Fahrzeit (es waren nur 20 km)… Wir waren nun in  Aït ben Haddou. Das ist eine alte Festung mit vielen Stampflehmhäusern drumherum. Hier wurden wohl schon einige Filme gedreht, und wenn man sich hier umschaut, weiß man warum: die engen Straßen, die Lehmhäuser, alles dank der Unesco in einem sehr guten Zustand…es ist einfach die ultimative Filmkulisse! Die Rückfahrt nach Ouarzazate, um den Linienbus nach Marrakesch zu erreichen war noch abenteuerlicher. Wir wollten ca. 10 km entfernt warten (dort war eine Kreuzung wo uns ein Taxis hingebracht hatte) um von dort in den Bus nach Marrakesch zu steigen. Das war unser Plan, der Plan von effizient denkenden Europäern. Der Bus wird schon anhalten, wenn wir an der Strecke stehen und dies auch noch an einer relativ wichtigen Kreuzung. Nur wenige Minuten vergingen dann erschien die erste Person und klärte uns auf, dass wir hier umsonst warten. Wir konnten es nicht glauben und dachten immer noch nicht darüber nach zurüch nach Ouarzazate zu fahren. Der Aufklärungsversuch wurde erneut gestartet, wir waren immer noch skeptisch, aber als ein sehr alter Herr zu uns kam, der einfach nur ehrlich aussah und kein Taxifahrer war, glaubten wir ihm dann doch. Wir gingen rüber zu den Taxis. Hier in Marokko fahren fast ausschließlich Mercedes Benz Limosinen als Taxis. Die Kisten sind so alt und so oft repariert, das es an ein Wunder grenzt, das sie nicht ständig liegenbleiben oder verunfallen, habe aber nichts dergleichen gesehen. Also: rein ins Taxi! Mercedes Benz 240D [wikipedia verrät mir gerade, dass diese Baureihe bis 1976 gebaut wurde—-jetzt wird mir doch im Nachhinein ein bisschen mulmig http://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes-Benz_W_114/W_115]. Zurück zu unserer Fahrt. Der Mercedes ist in Deutschland für max. 5 Personen zugelassen, wir „saßen“ zu viert (Erwachsene) auf der Rücksitzreihe, vorne saß der Fahrer plus zwei (!) Reisende. Also wirklich sieben Personen in einem PKW. Ich überlegte die ganze Zeit, wie die Tür, gegen die ich gequetscht lehnte eigentlich das ganze Gewicht besonders in den Kurven aushielt und das über Jahre, aber deutsche Ingenieurskunst beschütze unser Leben. Alles blieb ganz, genau wie die letzten Jahrzehnte. Neben dem Fahrer saß ein traditionell gekleideter älterer Herr, der anfing deutsch mit uns zu reden, und der wie sich rausstellte war er viele Jahre Deutschlehrer. Plötzlich wurde eine Vollbremsung hingelegt. Der Fahrer rief, dass das unser Bus sei, der gerade an uns vorbeigefahren ist und auf der Strecke hielt um jemanden aussteigen zu lassen. Merkwürdigerweise war der Busbegleiter bereit uns auf freier Strecke aufzunehmen, unterwegs beobachteten wir, dass meistens nur Passagiere ausstiegen und ganz selten welche in den Bus einstiegen, wir konnten nicht herausarbeiten, welche Kriterien notwendig sind, um, wann den Bus betreten zu dürfen. Die Rückfahrt war lang aber landschaftlich wieder sehr schön, diesmal mit Sonnenuntergang im Atlas. Der Fahrstil war gewöhnungsbedürftig—-Serpentinen über Serpentinen und Überholmanöver schienen dem Busfahrer besonders in den Kurven einen Kick zu verleihen… Zwischendurch gab es einen halbstündigen Aufenthalt in irgendeinem Kaff. Wir deckten uns mit Orangen und Mandarinen ein. Der ältere Herr, der uns das Obst verkaufte hatte eine Waage aber keine Gegengewichte. Was tat er, er nahm eine Tüte weißer Bohnen, die lt. Aufschrift ein Gewicht von 1 kg haben sollte und umging so das Problem (nichts mit geeichten Waagen, DIN-Werten, Toleranzen….etc) Wir erreichten spät den Busbahnhof, voll mit vielen neuen Eindrücken und ziemlich geschafft….

Aït ben Haddou
Aït ben Haddou
Aït ben Haddou
Atlas-Gebirge unterwegs
Atlas-Gebirge, unterwegs
Atlas-Gebirge unterwegs
Atlas-Gebirge unterwegs
Atlas-Gebirge unterwegs
Atlas-Gebirge unterwegs
Atlas-Gebirge unterwegs, da passt noch mehr rauf

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