20. Februar ’18, Bangkok 4.0, Khlongs |Tag 5|

[20/02/2018]

Es herrschen morgens angenehme 30°C, dazu Sonne satt und wir haben für heute eine Khlong-Tour organisiert. Drei Stunden durch die Nebenarme des Chao Phraya. Die Tour, die wir ausgewählt haben, wird uns Richtung Nonthaburi bringen, da es hier grüner sein soll, als andere Touren, die eher südwärts führen, was wir jetzt auch bestätigen können.

Es gibt nicht viel zu schreiben, einige unserer Eindrücke konnte ich in Fotos festhalten. Leider nicht alles, so begann die Tour damit, dass wir plötzlich aufgefordert wurden die Schwimmwesten anzuziehen, was eigentlich immer sehr nachsichtig gehandhabt wird. Wir verkleideten uns in Windeseile, was wirklich gut war, denn einige Augenblicke später erschien ein Polizeiboot. Bewaffnet mit Flüstertüte begann ein Dialog, von welchem wir nichts mitbekamen, selbst die Körpersprache verriet uns weder, ob unserem Guide mit seinem Longtail-Boat Schmuggel, Königsbeleidigung, ein Touristen-Entführungs-Delikt vorgeworfen wurde oder er einfach nur die falsche Farbe für den Blumenschmuck am Boot gewählt hatte. Das Polizeiboot kam längsseits und die Diskussion dauerte doch ein Weilchen. Wir, bekleidet mit Schwimmwesten, die uns im Notfall eher töten, als retten würden, beobachteten erwatungsvoll. Man weiß ja nie, vielleicht werden wir ja wegen Beihilfe, für was auch immer, gleich mit festgenommen.

Alles löste sich in Wohlgefallen auf. Wir konnten nicht herausarbeiten, worum es ging, aber nach einigen Minuten durften wir den Weg fortsetzen.

Kontaktaufnahme, mittels Flüstertüte
Sehen ein bisschen mürrisch aus
Anweisungen
Abzug

Ganz kurz danach, auf der Höhe eines Fähranlegers der Express Boat Lines, und hier ist immer Gewühle auf dem Fluss, steuern wir parallel zum Ufer, nordwärts. Rechts ein Express Boat, dahinter irgend welche anderen Boote, von backbord kommt ein anderes Long Tail Boat. Irgendwie sortiert es sich aber immer, “rechts” hat Vorfahrt oder eben der, der weniger wendig ist, größer ist oder andere Merkmale aufweist, die zeigen, dass er nicht so einfach ausweichen kann. Von backbord kommt also zügig ein Boot ähnlicher Bauart, eben Longtail, damit gleichberechtigt, angeschossen. Es sieht eng aus, das gegenerische Boot macht keine Anstalten auszuweichen, es wird enger, wir können ja auch nicht ausweichen (überall Boote!)… Der Moment des Zusammenstoßes nähert sich in Zeitlupe, trotzdem ist kein Ausweichen möglich, weil einfach kein Platz da ist. Wir (die Passagiere) sind ja sicher, da immer noch mit den Schwimmwesten verkleidet?. Die Dinger verhalten sich wie ein Oberkörper-Gips-Verband, ich bin mir sicher, wenn ich damit ins Wasser stürze, bin ich komplett bewegungsunfähig und nicht nur das, das Teil wird sofort so verrutschen, dass meine Todesursache nicht durch Wasser in den Lungen beschrieben werden wird, sondern Hypoxie, da sämtliche Atemwege sofort durch das Rettungsmittel (Schwimmweste) verlegt und unzugänglich sein werden.

Dann, Zusammenstoß, Holz auf Holz, Jeder kennt dieses Geräusch. Es knackt gewaltig im Gebälk, aber keine Splitter, die herumfliegen, es hört sich nur danach an. Nicht wirklich dramatisch, aber der Bug des Gegners rammt unseren, ich glaube unser Blumenschmuck sah danach nicht mehr so kunstvoll, wie zu Beginn der Tour, aus. In den Passagierraum ragt der fremde Tail mit schaukelndem Blumenschmuck herein. Jetzt erst zeigt das andere Boot, dass es auch über einen Rückwärtsgang verfügt. Unser Captain schimpft los, der Unfallverursacher, ein älterer Herr sitzt stoisch auf seinem Boot und erträgt die Schimpftirade. Irgendwie lächeln die Thais wohl immer. Nach einigen Sekunden beginnt ein Streitgespräch, ohne, dass wir wieder irgendetwas davon schnallen. Wir wissen nicht, wie die Beiden auseinander gegangen sind, ob einer den anderen abends auf ein Bier einläd oder sie sich treffen und die Kratzer gemeinsam wegpolieren, keine Ahnung. Es gab keine Tätlichkeiten, alles verbal.

Longtail von backbord, gleich scheppert es
Blumen-Gedöns

Dann setzten wir unsere Fahrt fort. Hier einige Bilder, unterwegs wurde noch einmal angelegt (der Anleger einer Schule, wo gerade Mittagspause war), um Reparaturarbeiten an der Schraube vorzunehmen.

Auf einem Seitenarm
Am Zaun kann man erkennen, wie hoch das Wasser manchmal steht
Nochmal (feuchte Wohnung?)
Links an der Treppe -> Briefkasten, den Postboten haben wir kurz danach auch noch gesehen (Flaschenpost der modernen Art?)
Weist eine gewisse Schräge auf?
Fische füttern/ Resteverwertung
Abwasch nach der Mittagspause
Reparaturpause

 

Floating Market in klein, hier wird das Essen frisch, direkt auf dem Boot zubereitet (siehe dampfender Topf)
Vorratshaltung?
Einfach mal so, ohne weiteren Kommentar
Frischwasser
Wenn man genau hinschaut, neben der Treppe ist der Anschluss angeflanscht. Außerdem scheint hier niemand off-grid zu leben, jedes Haus hat einen Anschluss.
Die Dichte, mit der wir Tempel sahen, ist einfach verwunderlich. Nicht nur an der Hauptwasserstraßen des Chao Phraya ist es so, auch in den Khlongs
Unbewohnbar

Das waren wirklich nur ein paar wenige Eindrücke dieser Tour. Im Vergleich zu der anderen Tour, die wir vor gut zwei Jahren weiter südlich gemacht haben, ist es hier weniger industriell, mehr bewohnt und unwahrscheinlich sauber. Nichts schwimmt im Wasser, was da nicht hingehört. Wir haben nach gut zwei Stunden wieder die Einmündung zum Chao Phraya passiert.

Wehr
Wieder auf dem Chao Phraya
Tiefliegende beladene Schute
Schlepper
Fähre

In den drei Stunden haben wir ca. 50 km zurückgelegt. Ich habe versucht die Strecke zu tracken, ist mir nur etwas spät eingefallen, deshalb fehlt der Anfang. Unser Start war ungefähr dort, wo der grüne Pfeil ist.

Hiermit kann man sich vielleicht ein ungefähres Bild machen

Wir haben uns am Central Pier wieder raussetzen lassen und sind von hier mit der BTS weiter nach National Stadium. Nach einem 10-minütigen Fußweg erricht man eine Station (Sapan Hua Chang) der Water Taxis. Diese speziellen Khlong-Boote, in die einzusteigen immer ein Abenteuer ist, da man eher klettert und springt, als einfach zuzusteigen. Die Endstation (Panfa Leelard) dieser Linie liegt dicht am Golden Mount, von welchem man einen sehr schönen Blick auf die Stadt hat.

Die Yukon-Fässer sind die Tanks. Damit hätte der TÜV bei uns zu Hause eventuell ein ganz kleines Problem?

Der Abschluss des Abends, wir mussten ja mindestens bis Mitternacht wach bleiben, um einer Person unserer Gruppe zu ihrem runden Geburtstag ein Ständchen zu singen, bildete gezapftes Chang-Bier im Bangrak Bazaar. Leicht angeheitert stellten wir nach 0°°Uhr noch den Beweis auf, dass sechs(!) Erwachsene in ein(!) Tuk-Tuk passen und dieses dann auch noch fahrtauglich ist.

Chang Beer! Nur der Slü nahm keins??
Selfies im schaukelden Tuk-Tuk mit Alkoholpegel sind nicht so einfach, deswegen sind die Beweisfotos etwas unscharf?
Alle sechs Fahrgäste zu sehen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.