01. November ’17, Bangkok 3.0, Mae Klong Market, Gulf of Siam

Eine Woche Bangkok, diesmal nicht in der Funktion, der permanent von Fernweh geplagten Mitvierzigerin (bisschen untertrieben), sondern als Schwiegertochter, die des Ehemannes Mutter begleitet. Die Dritte im Bunde ist das Töchterchen (meins), bzw. die Enkeltochter. Nun sind wir hier. Ich werde nicht täglich einen Blogbeitrag verfassen, eher eine Zusammenfassung mit Gedanken und Beobachtungen, die ich niederschreiben möchte. Natürlich auch mit einigen Fotos versehen?.

Der Flug, von Berlin über Frankfurt nach Bangkok, verlief trotz schlechter Wetterprognose, mit Unmengen an Wind in unserer Wohngegend und etwas Verspätung, völlig entspannt und reibungslos. [Das waren jetzt VIER Kommata, wenn ich sie richtig angewandt habe, toller Satz, der bleibt so!]

Einreise auch ohne Schwierigkeiten.

Wichtiges Procedere: Gleich am Flughafen, wird das iPhone mit einer thailändischen SIM bestückt, um immer und überall online zu sein:) Der ganze Spaß kostet 299.- THB (umgerechnet ungefähr 9.-€), damit ist man 8 Tage online mit 4G. Und wenn ich 4G schreibe, dann meine ich das auch wirklich. Die Netzabdeckung ist besser, als in Berlin, sogar auf den Muschelfarmen von Phetchabur, im Gulf of Siam hatten wir 4G(!), das gibt es am Alex (zumindest bei meinem Netzanbieter) nicht:(

Die Tour zum Hotel, habe ich mit Absicht via SkyTrain und Shuttle Boat und nicht Taxi geplant. Das war einfach der Uhrzeit und damit der Verkehrsdichte geschuldet, dazu wäre noch eine lange Wartezeit am Taxistand gekommen. Dieser Transfer zum Hotel war gleich der richtige Einstieg für einen Bangkok-Aufenthalt. Es war voll, im BTS genauso, wie im Airport-Link und die Ankunft am Saphan Taksin Pier, mit Unmengen an Menschen, ließ weder Zeit zur Entspannung, noch zum Durchatmen. Ich glaube meine Begleitung war ein bisschen geschockt.

Was mir bei unserer Ankunft am Saphan Taksin Pier, auffiel, war die ungewohnte Verkehrsdichte. Hier war schon immer viel los, aber die Shuttle Boote sind mehr geworden und legen jetzt von einem eigenen Pier ab (früher haben sie sich den Pier mit dem Ferry Boat nach „Asiatique“ geteilt. Es sind einfach auch mehr Reisende unterwegs. Meine erste Vermutung war, dass das damit zusammenhängt, dass Ende der Woche Loi Krathong bevorsteht und einfach mehr Menschen hier sind.

Nicht viel später sind wir angekommen, in diesem Hotel der gehobenen Klasse, welches ich schon von zwei früheren Reisen kenne. Einige leichte Veränderungen, sind wahrzunehmen, aber sonst fühlte man sich gleich wie in bekannter Umgebung. Ein Hotel mit spektakulärem River-View, der Möglichkeit, abends an der Riverfront zu sitzen, ein Shuttle Boat, das uns zum Verkehrsknotenpunkt Saphan Taksin bringt. Alles da, und sogar ein Pool, damit die Person mit der meisten Lebenserfahrung in unserer Drei-Generationen-Gruppe, zusätzlich zu allen Impressionen auch Entspannungsmöglichkeiten hat.

Unser Aufenthalt hier, ist eher als ruhiger Kultur-Trip geplant. Wir möchten ein paar Tempel besuchen, etwas herumkommen (gebuchte Tour) und einfach ein paar Tage eintauchen in diese andere asiatische Welt.

Ich habe für den ersten Tag eigentlich nur eine Tour mit dem Express Boat (orange flag) bis nach Nonthaburi geplant. Man tuckert bestimmt eine Stunde bis zum Ziel, bekommt aber interessante Blicke geboten. Bangkok und deren Suburbs vom Wasser aus. An der Endstation haben wir die Unmengen an welsähnlichen Fischen oder riesigen cat fish (keine Ahnung, welche Sorte das ist) beobachtet. Sie leben hier in einer schier unglaublichen Population und werden ständig gefüttert. Sie schwimmen übereinander und untereinander, das Wasser ist kaum noch zu sehen. Es bringt wohl Glück, wenn man die Viecher füttert.

Sehenswert, da unvergleichlich. Wer dran glaubt, kann Futter für ein paar THB kaufen und sich an der Fischmast beteiligen;-)

Fische: übereinander – untereinander – nebeneinander – hintereinander – voreinander – einfach überall!
…und Tauben gibt es hier, Vermutung: Wenn es gut Futter für die Fische gibt, dann fällt bestimmt ausreichend für das Federveih zu Boden ;)

 

Chao Phraya River mit Schlepper
Schuten und Schlepper
Schlepper, im Hintergrund Rama 4 Bridge
Express Boat „orange flag“

Auf dem Rückweg legten wir am Tempel Wat Arun einen Zwischenstopp ein.

Tempel aus etwas Entfernung
…da ist sie wieder, die Porzellan-Kunst. Überall sind Keramikfliesen, porzellantellerähnliche Gebilde und andere der Gebrauchskeramik nahestehende Keramikarbeiten als Verzierung zu bewundern ;-)
Noch mehr davon…

Unser zweiter Tag war für eine Guided Tour reserviert. Da das ältere Semester, Teil unserer Reisegruppe war, hatte ich mich im Vorfeld um eine entsprechende Tour gekümmert. „Green Mango Tours“, Touren in deutscher Sprache. Das ist etwas schräg, wenn ein thailändischer Guide vor einem steht und deutsch redet und immer wenn er nach einem Wort sucht oder einer speziellen Erklärung, war ich versucht die Konversation ist Englische zu switchen. Nein, habe ich nicht getan, wir sind bei meiner Muttersprache geblieben, aber es muss unendlich schwer sein, als Thai, diese Sprache der Dichter und Denker zu erlernen…

Link zum Veranstalter:

https://www.green-mango.net/

Link zu meiner TripAdvisor-Bewertung:

https://www.tripadvisor.de/ShowUserReviews-g293916-d3296659-r541515287-Green_Mango_Bangkok_Day_Tours-Bangkok.html

Unsere Tour brachte uns zuerst nach Samut Sakhon, hier stiegen wir aus dem MiniVan aus und liefen über einen typischen Markt in Maha Chai. Für alle, für die das der erste Marktbesuch war, kam es bestimmt einem kleinen Schock gleich. Ein Markt, mit allen seinen Gerüchen, Lebensmittel, die ungekühlt angeboten wurden, eben alles, was den Mitteleuropäer, wenn er es noch nicht kennt, schockiert.

Pomelo
Bananen
Fisch (?catfish), gekühlt
Garnelenpaste, ich möchte nicht wissen, wieviele Garnelen hierfür ihr Leben lassen mussten :-|
großer toter Fisch

Samut Sakhon: the fishing province. Nach dem Verlassen des Marktes haben wir Fischkutter gesehen und, wie diese entladen wurden. Ein Banner hier hat mich aufmerksam gemacht:

Banner am Fischmarkt
Fischkutter
Löschung der Ladung

Daraufhin habe ich im Internet verschiedene Berichte gelesen und es ist wirklich schockierend. Hier geht es um illegale Fischereimethoden, aber auch um pure Ausbeutung und regelrechte Sklaverei. Arbeiter aus Cambodia und Myanmar, die sich zum großen Teil nicht legal in Thailand aufhalten und damit keinerlei Rechte haben. Außerdem bin ich über Berichte gestolpert, dass Gefangene im Fischereisektor eingesetzt werden, ebenfalls zu unmenschlichen Bedingungen.

LINKS:

https://www.theguardian.com/global-development/2017/mar/30/thailand-failing-to-stamp-out-murder-slavery-fishing-industry-starvation-forced-labour-trafficking?CMP=share_btn_link

Der Name Siddharta Kara solle gegooglet werden, hier sind interessante und erschreckende Berichte zu finden.

http://siddharthkara.com

Eine Problematik, welche die Sanktionen der EU vielleicht mit sich bringen, ist bestimmt, dass nicht die Nutznießer, dieser Methoden bestraft werden, sondern der kleine Fischer, der, der durch Verkaufseinbußen nicht mehr überlebensfähig ist. Es ist unglaublich, wie arm die Bevölkerung in Thailand ist, während andere Teile so dermaßen reich zu sein scheinen, dass selbst wir Mitteleuropäer irritiert gucken, welche Preise in Shopping Malls aufgerufen und gezahlt werden. Unser Guide hat uns erzählt, dass es im Rentenalter eine Grundsicherung von THB 600.- seitens der Regierung gibt. Der Umrechnugskurs liegt bei ungefähr 40, d.h. es sind Pi-mal-Daumen € 15.-. Es gibt, besonders in den ländlichen Gegenden Leute, die nur das bekommen und damit voll von der Familie abhängig sind. Unvorstellbar für uns, mit unserem durchstrukturierten sozialen System.

Unsere Tour hat uns weiter gebracht, zum Bahnhof Tha Chalom.

Fähre 1
Fähre 2
…selbst mit dem Moped gehts es auf die Fähre.
Bahnsteig
Zug

Mit dem Zug sind wir weiter gefahren, nach Mae Klong, vorbei an Unmengen von Flächen/ Feldern auf denen Salz gewonnen wird. Zur Zeit stand, nach der Regenzeit, das Wasser noch zu hoch, deshalb lagen diese Flächen noch brach. Unser Ziel, der inzwischen schon berühmt gewordene Mae Klong Railway Market. Der Zug kommt, und die Stände, die bis an die Gleise heran gebaut sind klappen in Windeseile die Dächer und Markisen ein, um diese sofort nach dem Passieren des Zuges wieder auszuklappen.

>>>VID, kommt :-)

Ein Erlebnis, besonders mit Blick aus dem Zug heraus. Auf diesem Markt haben wir ebenfalls etwas Zeit verbracht und hatten die Möglichkeit, die Einklapp-Prozedur erneut zu sehen, aber diesmal aus Sicht des Marktbesuchers.

Mae Klong
…mit Nähmaschine :-)
Railway Market 1
Railway Market 2
Schedule

Es ging danach weiter, nun wieder mit dem MiniVan. Ziel: Phetchaburi, am Gulf of Siam. Unsere Gruppe wurde in ein Longtail Boat verfrachtet und raus ging es, via Wasserstraße (schon Salzwasser) in den Gulf of Siam. Hier wohnen Populationen von Affen und ich bin mir sicher, dass ich von den wirklich nicht abstammen möchte. Im Golf wurden uns Muschelfarmen gezeigt. Das Wasser stand zu hoch, um das gesamte Ausmaß sehen zu können. Aus Bambus werden zaunähnliche Gebilde gebaut, das Ganze dreidimensional, also x-/ y-/ z-Achse. Hier setzen sich die Miesmuscheln fest und werden geerntet. Das habe ich bestimmt total falsch und dilettantisch erklärt…sorry…einfach selbst hin und anschauen.

Auf der Muschelfarm, man sieht nur die seitlichen Bambusstöcke aus dem Wasser ragen. Bedingt durch den hohen Wasserstand, befindet sich der Rest unter Wasser.
Muschelfarm, diese Häuschen sollen hauptsächlich zum Übernachten oder sonstiger Pausen der Muschelfarmer.
Miesmuscheln

Zum Abschluss wurden wir noch verköstigt.

Wir haben viel gesehen, auch einige (kritische) Informationen erhalten, die man so nur von Einheimischen bekommen kann. Das gefiel mir. Ansonsten, ist man die Person, die im Besichtigungsmodus ist. das ist merkwürdig und kein gutes Gefühl. Gerne besuche ich andere Länder, sehr oft Länder der sog. Ersten Welt. Hier taucht man ein und fällt nicht weiter auf. Bei dieser Tour wurde mir wieder bewußt, wie krass doch die Unterschiede auf unserem Planeten sind. Wir fliegen weit weg und vor Ort buchen wir einen Guide, der uns zu Plätzen bringt, wo wir die Einheimischen bei ihrer Arbeit beobachten. Sei es auf dem Markt oder auf der Muschelfarm. Steht uns das wirklich zu? Ich fühle mich dabei nicht wohl. Wir spazieren mit Fotoapparaten bewaffnet über einen Markt und rümpfen die Nasen, weil es anders als in unserem sterilen Supermarkt riecht…

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  1. 2018 Februar SlüViMaSuMiSa in Bangkok |Tag 1| – Unser Reise-Blog

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