Beobachtungen, wie beeinflusst COVID-19 unser Familienleben? (März ’20)

21. März 2020

Heute ist Samstag, gestern war Frühlingsanfang (astronomischer), aber dieses Jahr ist es anders. Es herrscht eine bedrückte Stimmung. Seit Wochen hört man in den Medien über COVID-19, Ende letzten Jahres nahm ich es das erste Mal wahr, dass da was im weit entfernten China war. Nichts beunruhigendes, dachte ich zu dieser Zeit. Nun möchte ich hier nicht aufschreiben, was chronologisch passierte, das ist an anderen Stellen besser nachlesbar und jeder weiß eiegntlich, was in den folgenden Wochen geschah.

Ich habe möchte aber meine/ unsere Beobachtungen, Abläufe, Einschränkungen, alles was uns als Familie betrifft oder unser Leben irgendwie beeinflusst nieder schreiben.

Die Situation hat sich insoweit verschärft, dass heute für Deutschland die Zahl 20’000 für im System erfasste Infizierte Personen gemeldet wurde. Keiner weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist.

Vor 10 Tagen saß ich noch bei einem Vereinstreffen, einem sehr kleinen und mit überschaubar wenigen Personen, abends im Restaurant zusammen. Auch hier schon auf Vorsicht bedacht und den geltenden Hygieneregeln folgend. Inzwischen sind alle Restaurants geschlossen, alle Geschäfte, mit Ausnahmen entsprechend ihres Angebots (Supermärkte, Baumärkte, etc.), die ganze Sache hat eine ziemliche Dynamik entwickelt. Einige Bundesländer haben Ausgangssperren verhängt, weil es immer noch Menschen gibt, die sich nicht adäquat verhalten können. Und mein Nachbar erzählt mir, nachdem ich anbot Lebensmittel mitzubringen, dass das alles nicht so schlimm sei und dass er doch noch zu EDEKA gehen könnte, da er sich gut fühlte (leider fehlt da häufig die so wichtige Einsicht).

Wir als Familie haben uns entsprechend vorbereitet, nein, wir sind nicht dem Hamstern verfallen und haben auch nicht paketweise Klopapier gehortet. Wir haben unsere Vorratshaltung entsprechend sinnvoll aufgestockt. Wir sind uns sicher, dass es zu keinen Engpässen kommen wird, aber wir sind bedacht, dass wir nicht unbedingt zu Supermarkt fahren müssen, wenn es nicht nötig ist.

Die Schulen sind seit Mittwoch (18.03.20) geschlossen und die Kinder werden über eine SchulCloud mit Aufgaben versorgt, um wenigstens zu Hause etwas am Stoff bleiben zu können. Prüfungstermine wurden verschoben. Völlig neue und ungewohnte aber notwendige Maßnahmen.

Bedingt durch den systemrelevanten Job unseres Familienoberhaupts, haben wir, Ehefrau und Kinder die Auflage, uns entsprechend vorsichtig zu verhalten. Wir vermeiden soziale Kontakte, zumindest die physischen, alles läuft via Internet und Telefonie. Keine öffentlichen Verkehrsmittel, ich werde anstehende Arzttermine, die nicht lebensnotwendig sind, verschieben, einfach entsprechend der Devise: „komplette Vermeidung aller sozialen Kontakte“.

Diese gerade beschriebe Maßnahme praktizieren wir schon seit einigen Tagen, offiziell gilt sie für uns ab Montag und ich werde bestimmt noch mehr darüber schreiben.

Vorbereitend auf eventuelle freie Zeit, denn auch auf einem systemrelevanten Arbeitsplatz kann nicht 24/7 gearbeitet werden, waren wir heute früh, gleich nach Öffnung, im Baumarkt. Sozusagen, um dem Ansturm vorzukommen. Das ist nun kein spannendes Thema, aber hier wurde mir die Tragweite richtig bewusst. Das erste Mal, dass ich erlebte, wie nur eine bestimmte Anzahl von Kunden hineingelassen wurde und die neue Verabschiedung lautet nicht mehr „Tschüß“ oder so, sonderm „Bleiben sie gesund!“.

Schnell noch mal Gas getankt und die Kanister gefüllt…
Erster Hinweis. Noch herrscht Leere…
Zweiter Hinweis…
…und dummerweise musste ich nochmal raus (nach ’ner halben Stunde) einen Wagen holen, da wir nicht in den Drive-through kamen.

 

 


27. März 2020

Es sind wieder einige Tage vergangen. Entschleunigung scheint auf der „Liste der Wörter der Jahres“ auch relativ weit oben zu rangieren. Ist ja mal ganz nett, aber irgendwann auch genug. Verdammt, ich bin einfach nicht der Typ, um so komplett runterzukommen. Um im Garten zu wüten ist es nachts einfach zu kalt, wir müssen, nachdem im Herbst die gesammte Oberschicht abgetragen wurde, nun diese Mondlandschaft irgendwie begradigen. Nun bereiten die Minusgrade nachts die Sache nicht gerade so vor, dass man Lust hat, nach Sonnenaufgang mit Elan ans Werk zu gehen. Und wenn man erst andere Dinge erledigt, dann ist es meist mittags und irgendwie fange ich dann nicht mehr an, draußen die Schippe und die Harke zu schwingen. Also beschränkt sich die Tätigkeit zur Zeit größten Teils auf irgendwelche organisatorischen Sachen, die man gut am Rechner, auf der Couch sitzend erledigen kann. Oh, bin ich froh, dass wir ein Laufband haben, welches ich mit Regelmäßigkeit quälen kann.

Ich bin megamäßig entschleunigt und habe sogar gelernt, spontan die ARD Mediathek im Browser zu finden. Das hatte sonst nie Priorität, nun habe ich einen Medienkonsum, der um einiges höher ist, als gewohnt. Die Streamingdienste haben ihre Bandbreite wohl auch schon gedrosselt, nicht wegen mir! Aber es wird bestimmt unendlich viel vor der Glotze gehangen. Ich bin gespannt, wie die Menschen wieder in ihren Arbeitsalltag zurück finden werden. Es gibt diese interessanten Studien, wie die Produktivität nach dem Urlaub der Arbeitnehmer erst langsam wieder zunimmt und das ist schon nach zwei Wochen Freizeit zu beobachten.

Also ich bin auf dem Laufenden, was Nachrichtensendungen betrifft, da gibt es die RKI-Pressekonferenzen, seit dieser Woche nur noch zweimal pro Woche und dann den Christian-Drosten-Podcast vom NDR (ja der Podcast wird auch über die Mediathek gesendet (damit’s nicht so langweilig aussieht, mit einem Standbild, wechseln diese, allerdings immer in der gleichen Reihenfolge und immer die selben Fotos, voll cool. Ein Abwechslung wäre, die Reihenfolge zu ändern, ob das jemanden auffallen würde?! :)

Sonst bekomme ich meine Infos von der „Deutschen Welle“ und „EuroNews“ und dann habe ich die App der „New York Times“, einfach, weil ich an den direkten Nachrichten aus den Staaten ein persönliches Interesse habe. So komme ich relativ gut informiert durch den Tag.

Wie ich schon schrieb, vermeiden wir definitiv jeden möglichen Kontakt. Das geht ganz gut. Heute allerdings musste ich zur Apotheke. Unser Sohn befindet sich mitten in einer Desensibilisierung, die seit über zwei Jahren läuft und echt vielversprechend ist. An alle Kritiker: das bringt wirklich was! Allerdings fahren wir dafür alle 4 Wochen quer durch die Stadt, um vom östlichen Speckgürtel Berlins, bis in einen südlichen Berliner Bezirk zu gelangen. Ich habe diese Fahrerei von nunmehr knapp 4 Wochen gestoppt. Zu dieser Zeit gab es noch keine Begegnungsverbote oder Schließung von Geschäften, Restaurants etc. Ich habe Afgang März das Gefühl gehabt, dass ein junger Mensch, der an Asthma leidet einfach nicht mit dem ÖPNV durch die Gegend fahren sollte. Einen großen Dank an die Pneumologie-Praxis, wo sofort Bereitschaft gezeigt  wurde, dass ich das Medikament abholen darf und wir eine andere Möglichkeit der Desensibilisierung wählen dürfen. Eine liebe befreundete Ärztin hat sich bereit erklärt, dies zu übernehmen, so müssen wir Colin in keiner Weise irgendwelchen Ansteckungsgefahren aussetzen. Das erscheint jetzt vielleicht komplett übertrieben, aber dazu stehe ich und ich bin froh, dass ich es vor einigen Wochen einfach entschieden habe. Heute nun musste ich zur Apotheke, um Nachschub zu besorgen. Ein neues Rezept wurde mir völlig unproblematisch zugesandt. Ich bin den Kilometer zu Fuß gelaufen, die Sonne schien, es war toll. Wir haben ja keine Ausgangssperre, aber es war echt surreal. Ich habe genau drei Passanten getroffen (natürlich mit dem vorgeschriebenen Abstand zueinander) und zwei Radfahrer. Die Apotheke war leer, nur die Mitarbeiterin war da:) Das Medikament musste ich persönlich bestellen, da zu dem Rezept noch ein Therapiebogen gehört, der irgendwie irgendwohin gefaxt werden muss…egal, es gibt zur Zeit nicht mal Abholzettelchen, nein, es scheint dermaßen wenig los zu sein, ich kam bestimmt mit der einzigen Bestellung seit Wochenbeginn. An der Schranke musste ich warten, da die s5 nach Strausberg gerade durchfuhr. Die S-Bahn hatte die Gesamtlänge von vier Viertelzügen und war mit sage und schreibe 2(!) Fahrgästen besetzt! Es ist schon eine merkwürdige Zeit!

Wie man in einigen Posts zuvor verfolgen kann, sind wir in der Planung für ein Auslandsjahr für unsere Tochter. Dieses wird so wohl nicht stattfinden können. Wir werden alles verschieben müssen, da es nicht absehbar ist, dass sich die gesamte momentane Situation in den nächsten Wochen dermaßen entspannt, dass wir entspannt in die USA gehen könnten. Wir wären aber nicht SuMiSaCo, wenn wir nicht alles versuchen würden, dass unser Plan, wenn auch mit Verzögerung trotzdem stattfinden würde. Ich werde weiter darüber schreiben.

 


31. März 2020

Heute ist der letzte Tag im März, die COVID-19 Fälle steigen an, es erscheint alles wie die Ruhe vor dem Sturm. Die familiäre Situation ist weiterhin wie beschrieben. Die Kinder erhalten weiterhin Schulaufgaben via SchulCloud, zum Glück scheinen die Server mehr Traffic zu tolerieren, wie erleben nun kaum noch downtime. Die Cloud an sich ist katastrophal aufgebaut, und nicht wirklich nutzerfreundlich.

Home schooling

Langsam gewöhnen sich beide Kinder an diese neue Art des Lösens von Aufgaben und bearbeiten ganzer Themengebiete. Die geplanten Abschlussprüfungen (Sanja beendet die 10. Klasse) sind in den Mai verschoben worden. Geplant soll die Schule wieder ab dem 20. April stattfinden, heute wurden die Begegnungsregelungen , die nur bis zum 4. April gelten sollten bis zum 19. April verlängert, so dass wir uns nicht vorstellen können, dass dieser Plan, die Schulen wieder zu öffnen, aufgeht. Die gesamte Situation wird es wahrscheinlich nicht zulassen, dass nach den Osterferien das Homeschooling beendet sein soll.

In den Supermärkten leeren sich weiterhin einige Regale, immer noch ein Rätsel ist, was tun die Leute mit all dem Klopapier, das zu Hause gehortet wird…

Komplett leer, das Regal, in welchem sonst Klopapier zu finden ist…
Hinweis

Auch Eiscreme ist gut nachgefragt:

Keine wirklich große Auswahl.
Tja…

 

Damit ist der März zu Ende, ein Monat, der sich anders entwickelt hat, als man erwartet hat. Mike und ich hatten einen Trip in die USA für Mitte April vor Augen. Andere Planungen sind ebenso geplatzt, völlig neue Erfahrungen…