03. Februar ’19 Chicago im Winter (I)

Sanja hat von ihren Eltern zu Weihnachten einen Kurztrip nach Chicago bekommen, aus diesem Grunde sind Mama und Tochter gerade wieder unterwegs. 

Unsere Route verläuft von Berlin über Frankfurt/M., und Zwischenstopp in Charlotte, North Carolina nach Chicago.

Frankfurt/M. ist zur Zeit der günstigste Abflughafen, zumindest haben wir es so herausgearbeitet. Ein Sparpreis-Zugticket kostet auch nicht die Welt, und da es besser passte und wir nicht die halbe Nacht an Airport rumlungern wollten, haben wir vom Freitag zum Samstag eine Übernachtung im EasyHotel gebucht. Hier ein kurzer Review (Link und Text kommen noch).

EasyHotel, 9m2-Zimmer mit Duschklo ;)

Der Flug war relativ lang, da wir einen Zwischenstopp in Charlotte, North Carolina hatten und hier noch drei Stunden Aufenthalt. Dazu kam, dass unser Tickets so günstig waren, dass wir keine Option einer Platzwahl hatten. (Link, mit Beschreibung kommt).

Südstaaten = Hurrican Gebiet, gefunden am Klozugang, Airport Chatlotte, NC
Armlehne mit Ladefunktion, hat wirklich funktioniert! @CLT (Airport Charlotte)
…noch nie vorher gesehen…

Alles gut, die Immigration erfolgte schon in Charlotte, so dass wir in Chicago keine Wartezeit mehr hatten. Der Anschlussflug war entspannt, in Chicago O‘Hare fanden wir uns ganz schnell wieder zurecht. VENTRA-Tickets erhält man direkt vor dem Zugang zur „Blue Line“, wobei das Kaufen einer 7-Tages-Karte etwas tricky ist. (Link, kommt).

Pittsfield Apartments, wir haben hier ein günstiges Zimmer gefunden, keine 200 Meter vom Cloud Gate entfernt, ist wohl wirklich off-season (im Februar wollen nicht viele Touristen her). Bedingt durch die Zeitverschiebung gönnten wir uns ein frühes zu Bett gehen. Die Ruhe und der Schlaf währten aber nicht lange, gegen 22:30 ging der Feueralarm an. Ohrenbetäubendes jammerndes Gepfeife, man kann es nicht ignorieren und schaut irgendwann auf den Flur um die Lage zu checken. Nur ratlose Gesichter, die ersten Gäste machten sich Richtung Treppe auf, um herunterzulaufen. Wir befinden uns im 20. Stockwerk. Wir suchten unsere Klamotten, ich griff die Pässe und Kreditkarten, die iPhones sind sowieso mit uns verwachsen und Sanja und ich folgten den Anderen gen Lobby. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass der Flur, alle Flure, hell beleuchtet waren, in den Zimmern gab es aber keinen Strom. Das Treppenhaus war ebenfalls normal beleuchtet, die Notbeleuchtung war inaktiv. In der Lobby waren überall Gäste, ich bin froh, dass das Gebäude wegen Bauarbeiten nur teilweise belegt war. Die Rezeptionsmitarbeiter machten ihre Sache, im Rahmen der Möglichkeiten, naja ich will mal sagen nicht wirklich gut. Ich glaube, sie „hatten einfach keinen Film“. Es roch ja nicht nach Rauch und niemand ging von einer wirklichen Bedrohung aus, aber Kommunikation wäre gut gewesen. Niemand sprach die Gäste an und informierte sie, an der Rezeption erhielt man Aussagen, der Kategorie, dass der Strom weg sei und man nicht wisse, was, warum passiert sei. Die Feuerwehr kam, erst ein Löschzug, später noch mehr, es schlenderten drei Feuerwehrleute herein, ohne Schlauchgedöns, es brannte ja auch nicht. Wir bleiben eine Weile in der Lobby, aber es gab weder ausreichend Sitzgelegenheiten, noch Wasser zum trinken, selbst das Wi-Fi war tot und da wir nichts verwertbares in Erfahrung bringen konnten, entschlossen wir uns zum Millennium Park zu laufen. Der war leider schon geschlossen, wir bekamen aber einen kurzen Blick auf die Bean, und liefen noch ein bisschen herum. Später versorgten wir uns bei „Walgreens“ mit Trinkwasser und blieben im Dunkin Donuts bei einem Mitternachts-Donut hängen, wobei zu Hause eigentlich Frühstückszeit war und unsere Körper befanden sich definitiv noch in heimatlichen Zeitzone.

The Bean, ohne Menschen, da Nacht und eigentlich geschlossen (der Millennium-Park)
Glatt!
Überall Warnungen
Donuts!

Das Foto gibt es nicht wirklich wieder, da waren einige Löschzüge, die rumstanden.

So schlugen wir die Zeit tot. Vor unserem Hotel standen inzwischen 4 Löschzüge und ein Polizeiauto. Wir gingen rüber, um zu erfahren, was es Neues gäbe. Polizei in der Lobby, Feuerwehrkram lag da nun auch rum, dafür keine Information und auch kein Brand und erst recht keine Erkenntnis, was geschehen war und wie der Strom wieder anginge. Wir gingen zurück zu Dunkin Donuts (hier gibt es Wi-Fi). Um uns herum saßen einige Gäste im Schlafanzug, teilweise mit Donuts oder Eiscreme oder einen Kaffee zur Nacht, vor sich auf den Tischen. Wir hatten Zeit, um für den morgigen Tag zu planen. Irgendwann, es waren nun seit Feueralarm mehr als zwei Stunden vergangen, verschwanden die Löschzüge. In froher Erwartung gingen wir zum Hotel, aber siehe da, immer noch keine Infos. Gefahr bestehe nicht, die Fahrstühle gehen nicht, der Strom in den Zimmern auch nicht. Meine Frage, ob wir in die Zimmer dürften wurde mit „ja“ beantwortet. Was soll‘s, 20 Etagen, die schaffen wir. Wir waren nicht die einzigen, die den Rest der Nacht lieber im dunklen Zimmer verbringen wollten, unterwegs trafen wir andere, teilweise stark schnaufende und dem Herzinfarkt nahe, Gäste auf dem Weg nach oben. 

Treppenhaus, nicht oft benutzt (denke ich)
Treppenhaus mit Hinweisschild
Keine Ahnung, wer diesen Hinweis mit Kugelschreiber kommentieren musste ;)
Asbest-Sanierung während der laufenden Betriebs…

Ob es allerdings korrekt ist, die Gäste in Zimmer zu schicken, die keinen Strom haben, damit weder Wasser, noch Heizung…keine Ahnung. Uns stört es erst mal nicht. Wir werden etwas schlafen und dann schauen, wie es morgen weitergeht.

So ein Alarm hat aber auch gute Seiten, so hat Jemand die Tür zur Feuertreppe, ich meine dasTeil außen am Gebäude und ich rede hier von der 20. Etage geöffnet und sie war noch nicht wieder verschlossen. Nun ratet mal, was wir uns nicht verkneifen konnten…

Fire escape, wir durften vor einigen Stunden das andere, innenliegende, Treppenhaus benutzen, was uns jetzt aber nicht davon abhielt, einige Blicke zu riskieren…
Ausblick, aus der 20. Etage, sehr beeindruckend
…nochmal

Was wir nun live mitbekamen, ist, dass die amerikanischen Gebäude so gut wie keine Wärmedämmung haben, wir waren froh, dass wir diese Evakuierung nicht vor ein paar Tagen, als hier -30°C herrschten, erlebten. Wir spürten, wie schnell die Zimmer auskühlen. Dazu gab es zum Zudecken genau ein Laken mit kombinierter Fleece-Decke. Wir fröstelten etwas unter dieser eher sommerlichen Variante des Warmhaltens. Meine Option wäre gewesen, 20 Etagen nach unten zu laufen, um zu erfahren, dass uns der Room-Service morgen helfen könne (man muss sich vorstellen, die Rezeption befindet sich in einer kleinen Ecke und hat Platz für genau einen Computer, einen Zettelhaufen und einer Person dahinter. Hier erwartete ich nicht wirklich konstruktive Lösungsansätze, damit war unsere Entscheidung schnell gefällt, oben bleiben und warme Gedanke machen. Gegen 2°° Uhr früh wurden wir wieder mit Wärme versorgt, als mit lautem Rauschen die Lüftung ansprang und angewärmte Luft in die Zimmer pustete. Der Spuk war vorbei und das Gebäude wohl doch nicht abgebrannt…

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