07. August ‘18 Von der Havel weiter gen Süden (Post II)

In meinem gestrigen Post habe ich unseren Weg bis dato allgemein beschrieben. Wir sind bis zur Havel gekommen und haben vor Lindwerder (Kilometer 8) übernachtet. Hier ist es ziemlich ruhig, soweit entfernt von der Fahrrinne, dass der Wellenschlag auch nicht mehr zu spüren ist.

Ich möchte heute unseren gestrigen Weg genauer nachvollziehen, einfach, weil ich festgestellt habe, dass bestimmte Informationen für Beginners (wie wir es sind) hilfreich sein können.

So war für uns die Problematik des Nächtigen sehr wichtig im Vorfeld geklärt zu wissen. Wie ich gestern schon schrieb, habe ich in der City Berlins Möglichkeiten vorher in Augenschein genommen. Erstens, weil wir gar keinen Schimmer hatten, wie lange wir brauchen würde, um z.B. bis ins Regierungsviertel zu kommen. Überrascht waren wir, wie zügig alles ging. Die 24-Stunden-Anleger erwiesen sich für uns (mit einem relativ kleinen Boot) als nicht geeignet. Wir konnten an der Spundwand einfach nicht liegen. Durch das hohe Fahrgastaufkommen auf den Wasserstraßen, herrscht ein ziemlicher Wellengang, dieser drückte uns gegen die Spundwand und unsere Fender sind einfach zu klein bemessen, um uns dagegen abzufedern. Alternativ müssen wir nächstes Mal den Riesenfender mitnehmen, der zur Zeit als Sitzball dient und in unserem Wintergarten rumlungert.

Das hat uns überrascht, dass wir hier nicht liegen können. Wir hatten aber genügend Zeit, um weiterzufahren. Nach dem Passieren der Berliner City, Ost (Berlin-Mitte) und West (Charlottenburg) steuerten wir auf die Charlottenburger Schleuse zu. Totale Ruhe, kein Schiff, kein Boot, ja nicht mal ’ne Stockente war zu sehen. Keine Ausschilderung. Wir suchten eine Weile, ehe wir erkannten, wo der Wartebereich für Sportboote war (man muss sich rechts halten und dann am linken Ufer). Die Ampel war rot, also legten wir an. Versuchten es zumindest, allerdings waren die Dalben so hoch, dass ich vorher hätte einen Lassokurs absolvieren müssen, um diese vernünftig zu belegen. Aber es gibt ja den Unger-Haken?. Ein Tafelzeichen gab uns die Frequenz 82 Hz an, so dass wir versuchten, die Schleuse anzufunken. Nichts! Aber der NIF aus Magdeburg kam durch, wir wurden sofort über sämtliche Wasserstände in dieser, der magdeburger Region, informiert?.

Waren wir hier wirklich richtig? Während wir noch grübelten erschien ein zweites Sportboot und legte hinter uns an. Das Teil war so hoch, dass die Crew sogar die Dalben problemlos belegen konnte?…wir fühlten uns ziemlich klein, aber dafür nicht mehr so alleine. Ein kurzes Gespräch ergab, dass wir (die Newbies) alles korrekt gemacht hatten (vielleicht war der Unger-Haken nicht ganz so professionell gewählt, aber doch unsere einzige Festmachmöglichkeit)…wir hatten sogar die richtige Frequenz angefunkt. Plan B, im Falle, dass der Schleusenwart nicht reagiert, ist das Handy. Die Neuankömmlinge auf dem Dickschiff hinter uns klärten die Kommunikation und teilten uns mit, dass in 20 Minuten die nächste Schleusung stattfindet.

In der Schleusenkammer
Dickschiff

Das klappte dann auch, aber alles ohne irgendwelche akustischen Zeichen. Die Ampel sprang auf grün und wir tuckerten in die Schleusenkammer hinein, es kam niemand heraus, vielleicht war dahinter ja auch die Welt zu Ende (Szenario der Flat-Earth-Theorie?!?). Wir warteten geduldig, es dauerte, wegen dem riesigen Sportboot hinter uns konnten wir das Schleusentor nicht sehen, also weiter warten, nichts passierte….irgendwann sank das Wasser, wie von Geisterhand. Vielleicht läuft hier ein Testprojekt der komplett automatisierten Schleusung, ohne Menschen (ausgenommen denen die zum Schleus-Gut gehören)…Vor dem „Tower“, in welchem sich eventuell ein Schleusenwärter versteckte, parkte ein Auto, aber vielleicht auch nur, um zu verschleiern, dass es hier gar kein Leben gibt. ?

Wir verließen dieses menschenleere Fleckchen Berlin und fuhren weiter, Richtung Spandau, durch Industriegebiete. Nicht sehr schön, aber das gehört eben auch dazu. Die Spandau Arkaden waren irgendwann zu sehen und dann war es nicht mehr weit bis wir ungefähr in Höhe Gatow einen Ankerplatz für die erste Nacht fanden. Davon schrieb ich gestern schon.

Berlin Spandau

Die Nacht war ruhig und das Klima hier draußen auf dem See sehr angenehm. Morgens ins Wasser gesprungen und ums Boot geschwommen, so kann der Tag beginnen. Heute geht es weiter Richtung Süden, nach Potsdam und dann eventuell bis zum Schwielowsee. Hier hoffen wir auf einen schönen Ankerplatz.

Sonnenuntergang

Wir machen uns auf dem Weg und möchten nach dem Passieren der Glienicker Brücke Frühstückskram besorgen. Hier gibt es einen ALDI mit Anleger. Wir sind gespannt.

ALDI mit Bootsanlger
…nochmal…
Von Weitem

Gut ausgestattet legen wir wieder ab und fahren weiter.

Heilandskirche Sacrow
Hans-Otto-Theater
Tonnen
Potsdam, Lange Brücke
Potsdam
Templiner See
Massen von Vögeln

Im Templiner See, nicht weit weg von dem Strandbad finden wir einen schattigen Platz zum ankern. Es ist warm, besser, es ist heiß und in der Sonne ist es zur Zeit wirklich nicht auszuhalten. Wir frühstücken, es ist fast Mittagszeit, liegen dicht am Ufer und beschließen einfach hier zu bleiben. Gegen Nachmittag werden wir weiterfahren.

Wir sind noch weiter bis zum Schwielowsee, entschieden uns aber im Glindower See über Nacht zu ankern, da es hier um einiges ruhiger zu sein scheint.

Die Trockenheit der letzten Wochen hat wohl auch in diesen Gewässern den Wasserspiegel um ein Erhebliches sinken lassen. In beiden Seen haben wir es trotz Tiefenmesser geschafft fast aufzusetzen. In den Open SeaMaps sind Untiefen verzeichnet, dies scheint aber zur Zeit nicht sehr zuverlässig. Plötzlich sprang die angezeigte Tiefe auf 40 – 50 cm und wir spürten den Kontakt zum Grund. Krass! Der Motor kann das zum Glück ab, da der Grund ja sandig ist. Also Motor hochgestellt und langsam versucht rauszukommen aus dem Schlamassel. Achso, unser Tiefgang beträgt 40 cm.

Außerhalb der Betonnung saßen wir schon kurz auf dem Grund auf?
Hier war es überhaupt nicht zu erahnen, dass es gleich ein kratzendes Geräusch geben würde…

 

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